Wenn ein Angehöriger betroffen ist: so helfen Sie wirklich
Oft bemerken Angehörige die Blasenschwäche zuerst. Wie Sie das Thema ansprechen, ohne zu verletzen, und was danach zu tun ist.

Das Wichtigste in Kürze
- Sprechen Sie das Thema in einem ruhigen Moment an - als Angebot, nicht als Vorwurf.
- Der Weg führt zuerst in die ärztliche Praxis: Dort wird geklärt, welche Form der Blasenschwäche vorliegt. [1]
- Für Auskünfte zu einer laufenden Versorgung brauchen wir das Einverständnis der betroffenen Person.
- Hilfsmittel zur Pflege laufen teilweise über die Pflegekasse, nicht über die Krankenkasse. [2]
Es fällt zuerst den anderen auf. Die Mutter, die keine längeren Ausflüge mehr mitmacht. Der Vater, der nach der Operation kaum noch das Haus verlässt. Der Partner, der im Bad Einlagen versteckt. Blasenschwäche ist eines der Themen, über die Betroffene am längsten schweigen - aus Scham, aus dem Gefühl, dass das eben zum Alter gehört, oder weil sie nicht wissen, dass sich etwas tun lässt.[3] Oft sind es deshalb Angehörige, die den ersten Schritt machen. Das ist verständlich, und es ist hilfreich.
Ansprechen: als Angebot, nicht als Vorwurf
Der schwierigste Teil ist das erste Gespräch. Was sich bewährt hat: nicht den Vorfall benennen, sondern die Lösung anbieten. „Das lässt sich behandeln, soll ich mit dir zum Arzt gehen?“ öffnet mehr Türen als jede noch so gut gemeinte Bemerkung über nasse Wäsche. Wählen Sie einen ruhigen Moment, nicht die Situation, in der gerade etwas passiert ist.
- Sagen Sie, dass Blasenschwäche häufig ist - rund jede siebte Frau ist betroffen, Männer mit zunehmendem Alter ebenfalls häufig - und dass sie sich oft gut behandeln lässt.
- Trennen Sie das Thema von der Frage nach Pflegebedürftigkeit. Wer Angst hat, als hilfsbedürftig zu gelten, blockt ab. Es geht um eine Muskelgruppe, die trainiert werden kann.
- Bieten Sie Konkretes an: den Termin ausmachen, mitkommen, das Blasentagebuch mitführen. Nicht: „Du müsstest mal…“
- Akzeptieren Sie ein Nein - und kommen Sie später noch einmal darauf zurück. Der zweite Anlauf gelingt oft.
Der Weg führt zuerst in die Praxis
Ohne ärztliche Untersuchung gibt es keine Versorgung über die Krankenkasse, und es sollte sie auch nicht geben: Blasenschwäche hat verschiedene Formen mit verschiedenen Ursachen, und die Behandlung hängt davon ab.[1] Hausärztin, Urologe oder Gynäkologin klären die Form und stellen, wenn ein Gerät sinnvoll ist, die Verordnung aus. Bei Männern nach einer Operation an der Prostata ist das die urologische Nachsorge, bei neurologischen Erkrankungen die Neurologie.
Was Sie als Begleitung beitragen können: die Beobachtungen aus dem Alltag. Wann passiert es - beim Husten, beim Aufstehen, auf dem Weg zur Toilette? Wie oft nachts? Ein Blasentagebuch über mindestens drei Tage, das Sie gemeinsam führen, ist für die Praxis oft aussagekräftiger als das Gespräch.
Zum Nachlesen: Belastungs- oder Dranginkontinenz - woran man den Unterschied erkenntWas wir für Sie tun - und was wir dafür brauchen
Sie dürfen uns anrufen. Wir beraten Angehörige gern, erklären die Geräte und den Ablauf mit der Krankenkasse. Die Einweisung in ein Gerät machen wir dann gemeinsam mit der Person, die es anwendet - auf Wunsch telefonisch, und gern mit Ihnen dabei.
Eines brauchen wir dafür: das Einverständnis der betroffenen Person. Für Auskünfte zu einer laufenden Versorgung dürfen wir nicht einfach mit Angehörigen sprechen. Am einfachsten ist es, gemeinsam anzurufen - oder die betroffene Person nennt uns Ihren Namen als Ansprechperson. Dann geht alles Weitere über Sie.
Mit Unterstützung wird aus einem Tabu eine Versorgung. Der erste Schritt ist oft nicht der Anruf beim Arzt, sondern das Gespräch am Küchentisch.
Wenn Sie pflegen
Für pflegende Angehörige ist Inkontinenz oft die größte tägliche Belastung. Zwei Dinge sind dann wichtig zu wissen: Ein Trainingsgerät setzt voraus, dass die betroffene Person mitmachen kann und will - bei fortgeschrittener Demenz ist das meist nicht der Fall, dann geht es um andere Hilfsmittel.[1] Und: Hilfsmittel zur Pflege laufen teilweise über die Pflegekasse, nicht über die Krankenkasse.[2] Welcher Weg der richtige ist, klären wir mit Ihnen am Telefon.
Der Abschnitt für Angehörige auf unserer Fachseite zu Beckenboden und InkontinenzVerordnung einreichen - auch für eine andere Person, wenn deren Einverständnis vorliegtDer erste Schritt
Das Gespräch. Dann der Termin in der Praxis, gern gemeinsam. Wenn dort eine Verordnung entsteht, übernehmen wir den Rest: Kostenübernahme, Lieferung, Einweisung - diskret und mit Ihnen als Ansprechperson, wenn die betroffene Person das möchte.
Was die Krankenkasse übernimmt und was selbst zu zahlen istQuellen
- [1]DGGG, OEGGG, SGGG; veröffentlicht in Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2023;83(4):377-409: Diagnostik und Therapie der Harninkontinenz der Frau. S2k-Leitlinie (AWMF-Registernummer 015/091), Teil 1: Diagnostik, konservative und medikamentöse Therapie. Fassung Januar 2022, Gültigkeit laut AWMF-Register verlängert bis 31.12.2026.
- [2]Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: § 40 SGB XI - Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. abgerufen am 19.10.2026.
- [3]Robert Koch-Institut: Harninkontinenz. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 39. Ausgabe 2007; abgerufen am 19.10.2026.
Verordnung einreichen – digital in zwei Minuten
Sie haben eine ärztliche Verordnung? Fotografieren Sie sie einfach ab und reichen Sie sie online oder per WhatsApp ein. Wir übernehmen die komplette Abwicklung mit Arzt und Krankenkasse.
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