Nach der Prostata-Operation: den Beckenboden gezielt trainieren
Nach einer Prostata-Operation verlieren viele Männer vorübergehend die Kontrolle über die Blase. Was hilft, was nicht belegt ist, und wie Training richtig geht.

Die Operation ist überstanden, der Katheter gezogen - und dann das: Beim Aufstehen, beim Husten, manchmal einfach beim Gehen geht Urin ab. Für viele Männer ist das die unerwartete Seite des Eingriffs, über die vorher kaum gesprochen wurde. Jeder zehnte Mann in Deutschland ist von Harninkontinenz betroffen; die häufigste Ursache ist eine Operation an der Prostata.
Was bei der Operation verloren geht
Die Blase des Mannes hat zwei Verschlüsse: einen inneren, der mit der Prostata zusammenhängt, und einen äußeren, den Beckenboden mit seinem Schließmuskel. Wird die Prostata entfernt, fällt der innere Verschluss weg. Der äußere muss nun eine Aufgabe allein übernehmen, die er vorher nie bewusst hatte - und die meisten Männer haben diese Muskeln nie gezielt angesteuert.
Das Ergebnis ist meist eine Belastungsinkontinenz: Urinverlust, wenn der Druck im Bauchraum steigt. Wie stark sie ausfällt und wie lange sie anhält, ist von Mann zu Mann verschieden; bei vielen bessert sie sich im Lauf der Monate nach dem Eingriff. Was Sie selbst dazu beitragen können, ist das Training.
Training ist die Empfehlung - und der häufigste Fehler
Die S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom empfiehlt nach der Operation Beckenbodentraining. Das Problem: Von außen sieht Beckenbodentraining aus wie Nichtstun, und innen passiert oft das Falsche. Wer den Beckenboden anspannen will, spannt meist Bauch, Gesäß oder Oberschenkel an, hält die Luft an, presst. Genau das ist kontraproduktiv - Pressen erhöht den Druck auf die Blase, statt sie zu sichern.
Ein EMG-Biofeedbackgerät misst über eine Sonde oder Klebeelektroden, ob und wie stark die richtige Muskelgruppe arbeitet, und zeigt es auf einem Display. Sie sehen beim Üben, ob Sie den Schließmuskel treffen. Für Männer nach der Operation ist das oft der Moment, in dem das Training überhaupt erst anfängt zu wirken - nicht weil das Gerät trainiert, sondern weil es zeigt, was Sie tun.
Der Beckenboden lässt sich nicht sehen und kaum spüren. Biofeedback macht ihn sichtbar - mehr nicht, aber genau das fehlt.
Was wir Ihnen nicht versprechen
Elektrostimulation, also ein schwacher Reizstrom, der den Muskel zusammenziehen lässt, wird nach Prostata-Operationen ebenfalls angeboten. Ein Cochrane-Review von 2023 hat nach Belegen dafür gesucht und keine Studie mit aussagekräftigen Endpunkten gefunden. Das heißt nicht, dass sie nicht hilft - es heißt, dass niemand es weiß. Ob sie in Ihrem Fall als Einstieg sinnvoll ist, etwa weil die bewusste Anspannung anfangs gar nicht gelingt, entscheidet Ihre Urologin oder Ihr Urologe.
Genauso wenig versprechen wir Fristen. „In sechs Wochen trocken“ steht in keiner Leitlinie. Was sich sagen lässt: Regelmäßiges, richtig ausgeführtes Training über Monate ist der Weg, den die Fachgesellschaften empfehlen.
Praktisch: was Sie tun können
- Sprechen Sie das Thema beim Nachsorgetermin an. Kontinenz nach der Operation ist dort ein Standardthema, kein Nebenthema.
- Fragen Sie nach einer Heilmittelverordnung für Beckenbodentraining unter physiotherapeutischer Anleitung - die richtige Technik lernt man nicht aus einem Merkblatt.
- Wenn Sie unsicher sind, ob Sie den richtigen Muskel treffen, fragen Sie nach einem Biofeedbackgerät. Auf Verordnung versorgen wir Sie über Ihre Krankenkasse.
- Führen Sie zwei bis drei Tage ein Blasentagebuch. Es macht Fortschritte sichtbar, die man im Alltag nicht bemerkt.
- Vorlagen sind in dieser Phase kein Rückschritt, sondern eine Brücke. Sie werden weniger, wenn das Training greift.
Zur Diskretion, weil sie bei diesem Thema entscheidet: Wir versenden neutral, ohne Hinweis auf den Inhalt. Am Telefon melden wir uns mit Namen, nicht mit der Indikation. Wenn Sie eine feste Ansprechperson wünschen, richten wir das ein - und die Einweisung in das Gerät machen wir auf Wunsch telefonisch.
Ausführlich mit Belegen: Für Männer - der Abschnitt auf unserer Fachseite zu Beckenboden und InkontinenzBelastungs- oder Dranginkontinenz - woran Sie den Unterschied erkennenDer erste Schritt
Er führt in die urologische Praxis, die Sie ohnehin zur Nachsorge sehen. Dort entsteht, wenn ein Gerät sinnvoll ist, die Verordnung. Ab da übernehmen wir: Kostenübernahme mit Ihrer Krankenkasse, Lieferung, Einweisung. Über die Bewilligung entscheidet Ihre Kasse; für Sie fällt die gesetzliche Zuzahlung an.
Was die Krankenkasse übernimmt und was Sie selbst zahlenVerordnung einreichen – digital in zwei Minuten
Sie haben eine ärztliche Verordnung? Fotografieren Sie sie einfach ab und reichen Sie sie online oder per WhatsApp ein. Wir übernehmen die komplette Abwicklung mit Arzt und Krankenkasse.
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