Nervenschmerzen bei Polyneuropathie: wann sich ein Versuch mit TENS lohnt
TENS kann Nervenschmerzen bei Polyneuropathie lindern, heilt aber keine Nerven. Was Studien zeigen, worauf Sie bei gestörtem Empfinden achten müssen und wie Sie in vier Wochen herausfinden, ob es Ihnen hilft.

Tagsüber geht es. Abends, wenn Ruhe einkehrt, fängt es an: ein Brennen in den Füßen, ein Stechen, manchmal ist schon die Bettdecke zu viel. Polyneuropathien gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Nerven in Armen und Beinen; etwa 5 bis 8 Prozent der Erwachsenen sind betroffen. Die häufigste Ursache in Europa ist Diabetes. Wer damit lebt, kennt auch die Grenzen der Behandlung: Die Möglichkeiten sind überschaubar, und Medikamente haben Nebenwirkungen.
TENS ist in dieser Lage eine der wenigen Optionen, die sich mit geringem Aufwand ausprobieren lassen. Dieser Artikel sagt, was Sie davon erwarten können, was nicht - und wie Sie den Versuch so anlegen, dass Sie am Ende eine klare Antwort haben.
Was TENS ist und was es nicht ist
TENS steht für transkutane elektrische Nervenstimulation. Über selbstklebende Elektroden auf der Haut gibt ein kleines Gerät schwache elektrische Impulse ab, die als Kribbeln spürbar sind. Das Verfahren behandelt den Schmerz, nicht seine Ursache.
- TENS repariert keine geschädigten Nerven und hält das Fortschreiten einer Polyneuropathie nicht auf.
- Untersucht ist die Wirkung auf den Schmerz. Für Taubheit und Kribbeln gibt es keine belastbaren Daten.
- TENS ersetzt keine Medikamente und nicht die Behandlung der Grunderkrankung. Bei Diabetes bleibt die Stoffwechseleinstellung die Basis.
Was Studien zeigen
Eine zusammenfassende Auswertung von drei Studien mit 78 Patienten mit schmerzhafter diabetischer Polyneuropathie fand nach vier und nach sechs Wochen eine statistisch nachweisbare Schmerzlinderung gegenüber einer Scheinbehandlung. Nach zwölf Wochen ließ sich der Unterschied nicht mehr nachweisen. Das ist eine kleine Studienbasis, und wir nennen sie deshalb mit ihrer Größe.
Die Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft von 2025 führen TENS unter den nicht-medikamentösen Verfahren auf, die in eine Schmerzbehandlung aus mehreren Bausteinen einbezogen werden können. Das ist eine Nennung, keine ausdrückliche Empfehlung.
Ob TENS Ihnen hilft, sagt keine Studie voraus. Es zeigt sich in der Erprobung - und die kostet Sie wenig.
Der wichtigste Punkt: Spüren Sie Ihre Füße?
Die übliche Regel für TENS lautet: so stark, dass es deutlich spürbar, aber nicht schmerzhaft ist. Diese Regel setzt voraus, dass Sie den Strom zuverlässig spüren. Genau das ist bei einer Polyneuropathie oft gestört.
Wenn Ihr Empfinden an Füßen oder Händen eingeschränkt ist, können Sie die Stromstärke möglicherweise nicht sicher einschätzen. Wenden Sie TENS dann nur nach ärztlicher Anleitung an, mit einer vorgegebenen Einstellung, und kontrollieren Sie die Haut unter den Elektroden nach jeder Anwendung. Sagen Sie es uns bei der Einweisung; wir fragen bei dieser Erkrankung auch von uns aus danach.
So legen Sie den Versuch an
- Vorher klären: Wie oft und wie lange Sie anwenden, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Als Orientierung dient meist eine Anwendung von etwa 30 Minuten.
- Schmerz notieren: Schreiben Sie eine Woche vor dem Start jeden Abend eine Zahl von 0 bis 10 für Ihren Schmerz auf, und führen Sie das während des Versuchs fort. Ohne diese Zahlen lässt sich nach vier Wochen nicht sagen, ob sich etwas verändert hat.
- Im Sitzen oder Liegen beginnen: Manchen Menschen wird bei der ersten Anwendung schwindelig.
- Haut vorbereiten: Elektroden nur auf saubere, trockene, unversehrte Haut kleben, vorher keine Creme auftragen. Elektroden nie zuschneiden.
- Blutzucker im Blick: Wenn Sie Diabetes haben, messen Sie nach der Anwendung. Elektrische Stimulation kann nach Herstellerangabe den Blutzucker senken.
- Nach vier Wochen Bilanz ziehen: Vergleichen Sie Ihre Zahlen und besprechen Sie das Ergebnis in der Praxis.
Lässt die Wirkung nach einigen Tagen täglicher Anwendung nach, ist das ein bekannter Gewöhnungseffekt und noch kein Scheitern. Rufen Sie uns an, bevor Sie das Gerät weglegen; häufig lässt sich die Einstellung anpassen.
TENS wirkt nicht? Meist liegt es an der EinstellungWann TENS nicht in Frage kommt
- Sie tragen einen Herzschrittmacher, einen implantierten Defibrillator oder ein anderes elektronisches Implantat.
- Sie tragen eine Insulinpumpe. Bei Polyneuropathie ist das besonders wichtig, weil viele Betroffene Diabetes haben.
- Bei Ihnen sind Herzrhythmusstörungen oder eine Epilepsie bekannt.
- Sie sind schwanger.
- Die Haut an der betroffenen Stelle ist verletzt oder entzündet. Bei offenen Stellen am Fuß gehört zuerst die Wunde behandelt.
Ärztlich abklären sollten Sie die Anwendung außerdem, wenn Sie Metall im Körper haben oder blutverdünnende Medikamente nehmen. Verbindlich sind immer die Angaben in der Gebrauchsanweisung Ihres Geräts.
Alle Sicherheitshinweise zu TENS bei PolyneuropathieWenn es hilft: Medikamente nicht allein absetzen
Geht es Ihnen mit dem Gerät besser, ist das der richtige Moment für ein Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, nicht für einen Alleingang. Eine Anpassung der Dosis ist oft möglich, wenn sie begründet ist. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenmächtig ab.
TENS ist nicht Hochtontherapie
Beides wird bei Polyneuropathie angeboten und häufig verwechselt. TENS arbeitet mit Frequenzen bis etwa 150 Hertz und ist als Hilfsmittel auf Rezept versorgbar. Die Hochtontherapie arbeitet mit mehreren tausend Hertz und ist in der Regel eine Selbstzahlerleistung; ihr Nutzen wurde vom IGeL-Monitor 2012 als unklar bewertet. Bietet Ihnen jemand eine Hochtontherapie als Kassenleistung an, lohnt eine Rückfrage.
Was die Krankenkasse übernimmt
TENS-Geräte stehen im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen unter 09.37.01. Mit einer ärztlichen Verordnung ist die Versorgung grundsätzlich möglich. Das Gerät bleibt in der Regel ein Leihgerät, für Sie fällt die gesetzliche Zuzahlung an. Über die Bewilligung entscheidet Ihre Krankenkasse. Sie müssen für den Versuch also nichts anschaffen.
Was die Krankenkasse übernimmt und was Sie selbst zahlenDer erste Schritt
Sprechen Sie die Schmerzen beim nächsten Termin an, in der hausärztlichen, diabetologischen oder neurologischen Praxis, und fragen Sie nach einem Versuch mit TENS. Ab der Verordnung übernehmen wir: Klärung mit Ihrer Krankenkasse, Lieferung und Einweisung, persönlich oder telefonisch. Dabei gehen wir die Einstellung und die Kontrolle der Haut gemeinsam durch.
Ausführlich mit Belegen: unsere Fachseite zu Polyneuropathie und TENSVerordnung einreichen – digital in zwei Minuten
Sie haben eine ärztliche Verordnung? Fotografieren Sie sie einfach ab und reichen Sie sie online oder per WhatsApp ein. Wir übernehmen die komplette Abwicklung mit Arzt und Krankenkasse.
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