Herzschrittmacher, Metallimplantat, Schwangerschaft: wann Elektrotherapie nicht in Frage kommt
Elektrotherapie gilt als gut verträglich, aber nicht für jeden. Welche Gegenanzeigen für alle Geräte gelten, wo es auf den Stromweg ankommt und warum Ihre Gebrauchsanweisung das letzte Wort hat.

„Darf ich das mit meiner Hüftprothese überhaupt?“ Solche Fragen hören wir täglich, und sie sind berechtigt. Elektrotherapie arbeitet mit schwachem Strom, und Strom ist nicht für jeden Körper und jede Körperstelle geeignet. Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Gegenanzeigen. Er ersetzt weder das ärztliche Gespräch noch die Gebrauchsanweisung Ihres Geräts.
Was bei praktisch allen Geräten ausschließt
- Herzschrittmacher, implantierter Defibrillator oder ein anderes elektronisches Implantat. Der Strom kann deren Funktion stören.
- Eine getragene Insulinpumpe. Nicht alle Hersteller nennen sie ausdrücklich; wir fragen deshalb danach.
- Bekannte Herzrhythmusstörungen.
- Schwangerschaft. Zur Sicherheit gibt es keine Daten, deshalb schließen die Hersteller sie aus.
- Epilepsie. Die meisten Hersteller schließen sie aus, einzelne verlangen nur besondere Vorsicht. Klären Sie das vorher mit uns.
Wenn einer dieser Punkte auf Sie zutrifft, sprechen Sie uns an, bevor Sie eine Verordnung einlösen. Meist lässt sich das am Telefon in wenigen Minuten klären.
Metall im Körper: es kommt auf den Stromweg an
Ein künstliches Gelenk, Platten oder Schrauben sind nicht automatisch ein Ausschlussgrund. Entscheidend ist, ob das Metall dort liegt, wo der Strom fließt. Die Verfahren unterscheiden sich:
- TENS zur Schmerzbehandlung: Die Hersteller sind uneinheitlich. Manche verbieten die Anwendung bei Metall im Körper ganz, andere erwähnen es nicht. Das gehört vorher ärztlich abgeklärt.
- Muskelstimulation: Liegen die Elektroden über oder nahe am Metall, ist vorher ärztliche Rücksprache nötig. Das gilt auch für Gefäßstützen und kosmetische Implantate.
- Iontophorese: Ausgeschlossen ist sie, wenn das Implantat zwischen den beiden Wannen im Stromweg liegt. Eine Hüftprothese stört bei der Handbehandlung in aller Regel nicht. Gepulster Strom ändert daran nichts.
- Fußhebersysteme: Metall direkt unter der Elektrodenstelle am Unterschenkel schließt die Anwendung aus.
Es kommt nicht nur darauf an, wo die Elektroden kleben, sondern welchen Weg der Strom zwischen ihnen nimmt.
Stellen, an die keine Elektrode gehört
- Kopf, Schläfen, Augen, Mund, Rachen und Kehlkopf.
- Die Vorderseite des Halses, besonders über der Halsschlagader.
- Der vordere Brustkorb. Niemals eine Elektrode vorn und eine hinten am Brustkorb: Der Strom würde durch das Herz fließen und kann lebensgefährliche Rhythmusstörungen auslösen.
- Eine Elektrode links und eine rechts am Körper am selben Kanal.
- Verletzte, entzündete oder erkrankte Haut, offene Wunden und frische Narben.
- Direkt über Krampfadern, einer Venenentzündung oder einer bekannten Thrombose.
- Über einem Tumor oder einer Stelle, an der einer vermutet wird.
Wenn Sie an der Stelle wenig spüren
Die übliche Regel für die Stromstärke lautet: deutlich spürbar, aber nicht unangenehm. Sie setzt voraus, dass Sie den Strom zuverlässig wahrnehmen. Ist das Empfinden gestört, etwa bei einer Polyneuropathie, merken Sie nicht, wenn die Haut überlastet wird.
Bei TENS ist das kein Verbot, aber ein Fall für ärztliche Anleitung und regelmäßige Kontrolle der Haut. Bei der Iontophorese ist eine Gefühlsstörung an Händen oder Füßen dagegen ein Ausschlussgrund.
Nervenschmerzen bei Polyneuropathie: wann sich ein Versuch mit TENS lohntVorher ärztlich abklären
- Sie haben Diabetes. Elektrische Stimulation kann nach Herstellerangabe den Blutzucker senken; messen Sie nach der Anwendung.
- Sie nehmen blutverdünnende Medikamente oder neigen zu Blutungen.
- Sie wurden frisch operiert, haben einen noch nicht verheilten Knochenbruch oder einen frischen Bandscheibenvorfall und sollen Muskeln stimulieren.
- Ihre Schmerzen sind unklar oder lassen trotz Behandlung nicht nach.
- Das Gerät ist für ein Kind gedacht. Die Altersangaben der Hersteller unterscheiden sich deutlich.
Warum es keine Liste für alle Geräte gibt
Die Hersteller bewerten einzelne Punkte unterschiedlich: Was der eine ausschließt, erlaubt der andere mit Vorsicht. Deshalb gilt für Ihr Gerät immer dessen Gebrauchsanweisung. Bei der Einweisung gehen wir die Sicherheitshinweise mit Ihnen durch und fragen nach Implantaten, Medikamenten und Vorerkrankungen. Sagen Sie uns lieber einen Punkt zu viel als einen zu wenig.
Elektrotherapie ist gut verträglich, aber nicht frei von Nebenwirkungen. Am häufigsten sind Hautreizungen unter den Elektroden. Wird die Anwendung unangenehm oder schmerzhaft, schalten Sie das Gerät ab.
Sicherheitshinweise zu TENS im EinzelnenSicherheitshinweise zur MuskelstimulationSicherheitshinweise zur IontophoreseVerordnung einreichen – digital in zwei Minuten
Sie haben eine ärztliche Verordnung? Fotografieren Sie sie einfach ab und reichen Sie sie online oder per WhatsApp ein. Wir übernehmen die komplette Abwicklung mit Arzt und Krankenkasse.
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